Und was so in Hannover passiert...

  • Drogenmeile: Modelleisenbahner angepöbelt und bespuckt. Club stellt Betrieb mit sofortiger Wirkung ein. Von Britta Mahrholz


    Hannover. Auf der Drogenmeile vor dem Konsumraum „Stellwerk“ ist die Lage eskaliert. Der Vorsitzende des Modelleisenbahnvereins Hannover, Michael Kahler (49), ist von einer Person aus der Junkie-, Obdachlosen- und Trinkerszene angepöbelt und bespuckt worden. Der Club hat nach diesem Vorfall die sofortige Einstellung des Vereinsbetriebs beschlossen – aus Angst: „Vor allem ältere Mitglieder fühlen sich hier nicht mehr sicher“, sagt Kahler.


    Vor zwei Wochen hatten die Modelleisenbahner bereits auf die unerträgliche Situation auf der Meile zwischen dem „Stellwerk“ und der Fernroder Straße aufmerksam gemacht (NP berichtete). Ihre Jugendgruppe hatten sie bereits aufgelöst: Sie konnten nicht mehr die Verantwortung für die 14- bis 15-Jährigen übernehmen, die sich auf dem Weg zum Club ihren Weg vorbei an lagernden, alkoholisierten Obdachlosen und Trinkern sowie zugedröhnten Drogenabhängigen bahnen mussten. Zudem spritzen sich die Junkies auf der Meile ihre Betäubungsmittel, andere rauchen dort in aller Öffentlichkeit Crack.


    Vor einigen Tagen ist das Fass dann übergelaufen. Kurz vor Beginn des Clubabends hatte Kahler versucht, die Zugänge freizumachen und die lagernden Personen vor den Toren aufgefordert zu gehen. Ein offenbar stark alkoholisierter Mann kam auf ihn zu: „Er meinte, ich hätte gar nicht zu sagen“, so der 49-Jährige. Es kam zum Wortgefecht. „Und dann hat er mich angespuckt“, berichtet der Vereins-Chef.


    Er rief die Polizei. Bei deren Eintreffen war der Täter schon geflüchtet. Die Beamten räumten den Bereich vor dem Vereinsheim der Modelleisenbahner. Polizeisprecherin Isabel Christian bestätigt den Einsatz: „Etwa 50 Personen wurden angehalten, den Zugang freizugeben.“


    Kaum war die Polizei weg, ging das Spiel von vorne los. Kahler: „Die haben sich wieder genau dahin gelegt, wo sie vorher lagen.“ Offenbar glauben die Drogenabhängigen, Obdachlosen und Trinker auch, die Meile inzwischen okkupiert zu haben: „Wer da lagert, sieht das als seinen Platz an“, berichtet der Vorsitzende. Beschimpfungen müsse er sich inzwischen auch anhören, wenn er den Müll vor der Tür der Hobby-Eisenbahner weg und wieder auf die Meile fegt. Der Dreck, inklusive benutzter Drogenspritzen, stammt ausschließlich von denjenigen, die dort campieren.


    Was laut Stadt definitiv verboten ist. Allerdings lasse die Verwaltung keine sichtbaren Taten folgen, um das Ordnungsrecht auf der Meile durchzusetzen. „Das ist alles ein Witz“, schimpft Kahler. Ordnungsdezernent Axel von der Ohe lässt auf NP-Anfrage auf das Konzept „Bahnhof.sicher“ verweisen und feststellen, es sei „offenkundig erneut erforderlich deutlich zu machen, dass auch rund um das Stellwerk Regeln gelten und diese Beachtung finden müssen“. Dass diese Ansprache auf der Drogenmeile verstanden wird, daran glauben Kahler und seine Mitstreiter nicht ansatzweise.


    Deutlichere Worte findet der CDU-Fraktionschef im Stadtrat, Jens Seidel, den die Einstellung des Clublebens der Hobby-Eisenbahner ziemlich empört: „Wenn Vereine in Hannover den Betrieb einstellen müssen, weil sie von Randständigen bedrängt und bespuckt werden, ist das ein unfassbarer Vorgang.“ Seidel fordert von der Ohe zum unverzüglichen Handeln auf: „Ich erwarte, dass Herr von der Ohe ab sofort mit seinem städtischen Ordnungsdienst sicherstellt, dass der Modelleisenbahnverein ungehinderten Zugang zu seinem Clubhaus hat.“


    Wenn Vereine in Hannover den Betrieb einstellen müssen, weil sie von Randständigen bedrängt und bespuckt werden, ist das ein unfassbarer Vorgang.

    (Quelle: NP Hannover)

    Tatsachen muß man kennen, bevor man sie verdrehen kann.(Mark Twain)

  • Die verstehen nur eine Sprache: Die des Baseballschlägers.


    Wer jetzt meint, daß das unverhältnismäßig sei - die Zeit der guten Worte und übers Köpfchen streicheln muß endlich vorbei sein. Wie lange müssen sich Bürger noch von diesen Leuten tyrannisieren lassen?


    Ich war in den 70ern in der Jugendarbeit tätig und hatte mit diesen Problemen damals schon zu tun. Ein Sandkastenkamerad ist an der Sucht mit knapp 20 Jahren gestorben. Heute kann ich nur sagen: Kein Mitleid.

    Definition von Hobby: Mit dem maximal möglichen Aufwand den geringst möglichen Nutzen erzielen.

  • Solche Nachrichten machen mich wütend. Das Problem scheint zu sein, dass

    dieser Konsumraum "Stellwerk" die Junkie-Klientel natürlich anzieht wie ein

    Magnet. Man könnte diesem "Sozial"-Projekt z. B. die finanzielle Grundlage ent-

    ziehen, indem man Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln streicht. Es kann

    schliesslich nicht sein, dass mit Steuergeldern Projekte finanziert werden, in

    dessen Umfeld Straftaten und Ordnungswidrigkeiten begangen werden. Diese

    Steuergelder wären z. B. im Jugendprojekt des Modelleisenbahnervereins

    Hannover besser angelegt.

  • wir leben teilweise in rechtsfreien Zonen,da gelten dann andere Gesetze !

    Hallo Hans-Georg,


    da hast Du natürlich Recht ! Das Entstehen solcher rechtsfreier Räume ist ein

    Ausdruck von Politik- und Behördenversagen. Eine Schande für den Staat ! Hier

    muss die Politik endlich ihre Ankündigungen in die Tat umsetzen, mehr Polizisten,

    Staatsanwälte und Richter einzustellen. Dies wird seine Zeit brauchen, da dieses

    Personal erst ausgebildet werden muss usw. Dann kann das Gesetz der Anständigen diese Orte zurückerobern und das Gesetz der Straße ersetzen.


    Beste Grüße


    Hans-Joachim